„Mein ACoS ist zu hoch." Der Satz kommt fast täglich. Und fast immer folgt derselbe Reflex: Bids runter.
Zwei Wochen später ist der ACoS immer noch zu hoch — nur der Umsatz ist jetzt auch weg.
Denn ACoS ist keine Ursache. ACoS ist ein Ergebnis. Er zeigt dir, dass etwas nicht stimmt. Er sagt dir nicht, was.
01Was ein hoher ACoS tatsächlich bedeutet
Der ACoS ist ein Quotient: Werbekosten geteilt durch Werbeumsatz. Wenn er steigt, kann das drei völlig verschiedene Gründe haben — und jeder verlangt eine andere Antwort.
- Du zahlst zu viel pro Klick. Ein Bid-Problem. Hier hilft die Bid-Anpassung tatsächlich.
- Du bekommst Klicks, die nicht kaufen. Ein Keyword-Problem. Bids senken macht es nicht besser — es macht dich nur unsichtbarer für die Keywords, die funktionieren.
- Deine Klicks konvertieren generell schlecht. Ein Listing-Problem. PPC zeigt es nur schneller, als du es sonst gemerkt hättest.
Drei Diagnosen, eine Kennzahl. Wer nicht unterscheidet, behandelt das falsche Problem — und wundert sich, dass es nicht wirkt.
02Der Search Term Report ist der Ort, an dem du nachsiehst
Nicht die Kampagnenübersicht. Nicht der ACoS pro Kampagne. Der Search Term Report — er zeigt dir, wonach die Leute tatsächlich gesucht haben, bevor sie geklickt haben.
Dort findest du, was die Kampagnenansicht verbirgt:
- Suchbegriffe mit vielen Klicks und null Sales. Jeder davon ist verbranntes Budget. Sie stehen da, seit Monaten, und niemand hat hingesehen.
- Suchbegriffe, die kaufen, aber kaum Budget bekommen. Weil sie in einer Kampagne stecken, deren Bid pauschal gesenkt wurde.
- Suchbegriffe, die gar nicht zu deinem Produkt gehören. Auto-Kampagnen finden alles — auch das, was du nie wolltest.
Ein hoher ACoS auf Kampagnenebene sagt nichts. Ein Suchbegriff mit 40 Klicks und keiner Bestellung sagt alles.
03Struktur vor Optimierung
Hier liegt der eigentliche Punkt. Die meisten Seller optimieren in einer Struktur, die gar nicht optimierbar ist.
Wenn alle Keywords in einer Kampagne liegen, kannst du keine steuern. Wenn Broad, Phrase und Exact vermischt sind, weißt du nicht, welcher Match-Type performt. Wenn eine Auto-Kampagne seit Monaten ohne Negatives läuft, sammelt sie Müll ein, den du bezahlst.
Jede Bid-Anpassung in so einem Setup ist Raten. Du bewegst einen Regler und hoffst, dass sich die richtige Sache mitbewegt.
Deshalb: Struktur zuerst. Dann Optimierung. Nicht andersherum.
04Warum das jetzt passiert und nicht im November
Weil PPC Zeit braucht, um sich zu setzen.
- Negative Keywords wirken nicht sofort. Die Daten, die du heute ausschließt, verschwinden erst über Tage aus der Auslieferung.
- Neue Kampagnenstrukturen brauchen eine Lernphase. Amazon muss erst wieder verstehen, wo dein Produkt hingehört.
- Bid-Strategien im Peak testet man nicht. Im November ist jeder Klick teuer. Das ist der falsche Moment für Experimente.
Wer im September bereinigt, geht mit einer funktionierenden Struktur in Q4. Wer im November bereinigt, bereinigt mit Peak-CPC — und zahlt für jede Erkenntnis den Aufschlag.
Ein hoher ACoS ist kein Grund für Panik. Er ist eine Frage, die du beantworten musst: Woran liegt es?
Wer sie stellt, findet die Ursache. Wer stattdessen den Bid senkt, hat nur den Beweis versteckt.
–TL
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