20 % Rabatt klingt nach einer Entscheidung, die man im November trifft. Tatsächlich ist es eine Rechnung, die im Juli fällig ist.
Denn ein Rabatt kommt in Q4 nie allein. Er kommt zusammen mit höheren Klickpreisen, mit einem höheren Werbebudget, mit Coupons, die du oben drauf legst — und mit einer Retourenquote, die im Dezember steigt. Jeder dieser Posten frisst von derselben Marge.
Die meisten Seller rechnen nur den ersten Posten. Sie ziehen 20 % vom Preis ab, schauen auf die verbleibende Marge, finden sie vertretbar — und übersehen, dass die anderen drei Posten noch kommen.
01Q4 verschiebt vier Größen gleichzeitig
Was sich in Q4 verändert, verändert sich nicht nacheinander, sondern gleichzeitig:
- Der Preis. Rabatt, Coupon, Deal-Badge — jeder Nachlass senkt den Nettoerlös pro Einheit.
- Die Klickpreise. Mehr Wettbewerb um dieselben Keywords. Dein CPC steigt, ohne dass du etwas tust.
- Das Werbebudget. Du gibst mehr aus, um im Peak sichtbar zu bleiben.
- Die Retouren. Geschenke werden häufiger zurückgeschickt. Die Quote steigt, oft erst im Januar sichtbar.
Wer nur den ersten Punkt einrechnet, plant mit einer Marge, die es nicht gibt. Und merkt es erst, wenn das Quartal vorbei ist und die Abrechnung kommt.
02Die Rechnung, die du jetzt machst
Nimm dein wichtigstes Produkt und rechne es einmal durch — nicht mit den Zahlen von heute, sondern mit den Zahlen, die du im November erwartest.
- Nettoerlös nach Rabatt. Verkaufspreis minus geplantem Nachlass, minus Coupon, falls beides zusammenkommt.
- Amazon-Gebühren. Provision und FBA-Gebühr auf den neuen Preis — sie sinken nicht proportional mit deinem Rabatt.
- Werbekosten pro Einheit. Nicht der ACoS von heute, sondern der ACoS, den du im Peak erwartest.
- Retourenkosten. Retourenquote mal Kosten pro Retoure, auf jede verkaufte Einheit umgelegt.
Was am Ende übrig bleibt, ist deine echte Q4-Marge. Nicht die aus dem Sommer.
03Nicht jedes Produkt verdient einen Rabatt
Hier trennt sich der Operator vom Seller, der hofft.
Ein Produkt mit dünner Marge wird durch Volumen nicht besser. Es wird durch Volumen nur schneller unrentabel. Mehr Einheiten bedeuten mehr Retouren, mehr gebundenes Kapital, mehr Werbeausgaben — bei einer Marge, die den Aufwand nicht trägt.
Die Frage ist deshalb nicht: Welchen Rabatt gebe ich? Die Frage ist: Welche Produkte trage ich überhaupt in die Rabatt-Phase?
Ein Produkt, das bei 20 % Nachlass plus Peak-CPC plus Retouren immer noch trägt, ist ein Kandidat. Eines, das nur bei perfektem Verlauf knapp aufgeht, ist keiner — egal wie gern du es verkaufen würdest.
04Warum das im Juli passiert und nicht im Oktober
Weil die Rechnung Konsequenzen hat, die Vorlauf brauchen.
- Ein Produkt, das die Rechnung besteht, braucht mehr Bestand — und der muss bestellt werden, solange die Lieferzeit noch reicht.
- Ein Produkt, das durchfällt, braucht weniger Bestand — und das erfährst du besser jetzt als beim Blick auf ein volles Lager im Januar.
- Ein Produkt, dessen Marge zu dünn ist, braucht vielleicht einen anderen Preis — und Preisänderungen brauchen Zeit, bis sich das Ranking daran gewöhnt hat.
Im Oktober kannst du keine dieser Konsequenzen mehr ziehen. Die Rechnung wäre dann nur noch eine Diagnose — keine Entscheidung.
Rabatt ist kein Wachstumshebel. Rabatt ist ein Instrument, das nur dann funktioniert, wenn die Marge es trägt — und ob sie das tut, weißt du nicht aus dem Gefühl, sondern aus der Rechnung.
Wer sie jetzt macht, geht mit einer Entscheidung in Q4. Wer sie im Dezember macht, geht mit einer Hoffnung.
–TL
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